Analogiebasierte Problemlösung
- Typische Dauer:
- 45m
Eine strukturierte kreative Problemlösungsmethode, die Analogien, Metaphern und Rollenspiel nutzt, um das Vertraute fremd und das Fremde vertraut zu machen und Durchbruchsideen zu generieren.
Zweck
Diese Methode, entwickelt von William J.J. Gordon, ist ein strukturierter Ansatz zum kreativen Problemlösen, der vier Arten von Analogie nutzt — persönliche, direkte, symbolische und Fantasie-Analogie — um gewohnheitsmäßiges Denken zu brechen. Indem das Vertraute fremd gemacht wird (ein bekanntes Problem durch fremde Linsen betrachten) und das Fremde vertraut (ein neues Konzept intuitiv wirken lassen), erreichen Teams Lösungen, die sowohl neuartig als auch psychologisch resonant sind.
Auf einen Blick
- Gruppengröße: 4–10
- Dauer: 45 Minuten
- Schwierigkeit: Hoch
- Moderationsstil: Geführte Analogie-Erkundung mit strukturierten Schritten
- Setting: Workshop-Raum; erfahrene Moderation empfohlen
Ablauf
- Problem wie gegeben (5 Min): Das Problem formulieren, wie es die Auftraggebenden sehen.
- Das Fremde vertraut machen (5 Min): Das Problem analysieren. In seine Bestandteile zerlegen. Die aktuelle Situation gründlich verstehen.
- Problem wie verstanden (5 Min): Das Problem in eigenen Worten des Teams neu formulieren und die Kernspannung hervorheben.
- Exkursion — Analogien generieren (15 Min): Einen oder mehrere Analogietypen nutzen:
- Persönliche Analogie: "Wenn ich das Produkt wäre, wie würde ich mich fühlen?"
- Direkte Analogie: "Was in der Natur oder einem anderen Feld löst ein ähnliches Problem?"
- Symbolische Analogie: "Welche komprimierte Metapher erfasst die Essenz?" (z. B. "komfortables Gefängnis" für einen gemütlichen, aber einschränkenden Arbeitsplatz)
- Fantasie-Analogie: "Wenn Magie existieren würde, wie würden wir das lösen?"
- Force Fit (10 Min): Die interessanteste Analogie nehmen und zwangsweise mit dem ursprünglichen Problem verbinden. Praktische Ideen extrahieren.
- Lösung entwickeln (5 Min): Die beste Force-Fit-Idee zu einem konkreten Konzept verfeinern.
Material
- Whiteboard für die Problementwicklung (gegeben → verstanden → Analogie → Lösung)
- Haftnotizen und Marker
- Analogie-Impulskarten
- Timer
Stolperfallen & häufige Fehler
- Exkursion überspringen: Die Analogiephase ist, wo die Magie passiert. Nicht hetzen.
- Schwacher Force Fit: Die Verbindung von der Analogie zurück zum Problem muss explizit hergestellt werden. Nicht vage lassen.
- Nur einen Analogietyp nutzen: Verschiedene Typen liefern verschiedene Ergebnisse. Mindestens zwei versuchen.
- Unerfahrene Moderation: Die Methode erfordert erfahrene Facilitation. Zuerst mit einfacheren Methoden üben.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Jeden Analogietyp mit Beispielen erklären, bevor Teilnehmende gebeten werden, eigene zu generieren.
- Schriftliche und verbale Beiträge erlauben.
- Die Fantasie-Analogie ist besonders zugänglich — kein Domänenwissen nötig.
Varianten
- Schnellversion: Nur persönliche und direkte Analogie in einer 20-Minütigen Session nutzen.
- Visuelle Version: Bilder statt Wörter für die Analogiephase nutzen.
- Team-Exkursion: Gruppen auf verschiedene Analogiepfade schicken und für den Force Fit wieder zusammenkommen.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn das Team mit analogiebasiertem Denken nicht vertraut ist und die Moderation nicht anleiten kann.
- Wenn ein schnelles, unkompliziertes Brainstorming ausreichen würde.
- Wenn das Problem rein technisch ist und analogisches Denken unpräzise wäre.
Quelle & Weiterlesen
- Gordon, William J.J. — *Synectics: The Development of Creative Capacity* (Harper & Row, 1961)
- Prince, George M. — *The Practice of Creativity* (Collier, 1970)
- VanGundy, Arthur B. — *Techniques of Structured Problem Solving* (1988)
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