Annahmen hinterfragen
- Typische Dauer:
- 30m
Eine Methode des kritischen Denkens, die die verborgenen Annahmen hinter einem Produkt, einer Strategie oder einem Plan aufdeckt und dann jede systematisch hinterfragt, um blinde Flecken zu offenbaren und neue Möglichkeiten zu erschließen.
Zweck
Annahmen hinterfragen macht das Unsichtbare sichtbar. Jedes Produkt, jede Strategie und jeder Plan ruht auf einem Fundament von Annahmen — über Nutzende, Technologie, Märkte und Verhalten — die selten überprüft werden. Durch bewusstes Aufdecken und Hinterfragen dieser Annahmen entdecken Teams, dass viele ungetestet, einige falsch sind und wenige, wenn umgedreht, völlig neue strategische Richtungen eröffnen.
Auf einen Blick
- Gruppengröße: 4–12
- Dauer: 30 Minuten
- Schwierigkeit: Mittel
- Moderationsstil: Strukturierte Gruppenanalyse
- Setting: Workshop-Raum mit Whiteboard
Ablauf
- Gegenstand identifizieren (3 Min): Das zu untersuchende Produkt, die Strategie, den Plan oder das Konzept wählen.
- Annahmen auflisten (10 Min): Jede Annahme brainstormen, von der der Gegenstand abhängt. Mit Kategorien prompten: Nutzerverhalten, Technologie, Markt, Regulierung, Teamfähigkeit, Timing. Jede auf eine Haftnotiz schreiben.
- Kategorisieren (5 Min): Annahmen sortieren in: validiert (wir haben Evidenz), ungetestet (wir glauben, haben aber nicht verifiziert) und riskant (wenn falsch, scheitert der ganze Plan).
- Riskante Annahmen hinterfragen (8 Min): Für jede riskante Annahme fragen: "Was, wenn das falsch ist?" "Was würden wir anders machen?" "Wie könnten wir das günstig testen?"
- Tests planen (4 Min): Die Top 2–3 Annahmen identifizieren, die sofort getestet werden müssen, und ein schnelles Experiment für jede definieren.
Material
- Haftnotizen und Marker
- Drei-Spalten-Board: Validiert / Ungetestet / Riskant
- Whiteboard für Annahmen-Challenges
Stolperfallen & häufige Fehler
- Nur offensichtliche Annahmen auflisten: Auf implizite, tief verankerte Überzeugungen drängen, die sich "offensichtlich wahr" anfühlen.
- Keine Kategorisierung: Ohne Sortierung nach Risiko verschwendet das Team Zeit mit Annahmen, die nicht zählen.
- Hinterfragen ohne Handlung: Riskante Annahmen identifizieren ohne Tests zu planen ist intellektuelle Übung, kein Fortschritt.
- Allein machen: Annahmen sind per Definition blinde Flecken. Diverse Perspektiven werden benötigt, um sie aufzudecken.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Stilles Schreiben vor der Gruppendiskussion, um Annahmen aller Teammitglieder aufzudecken.
- Annahmen hinterfragen als Lernen rahmen, nicht als Schuldzuweisung — alle haben Annahmen.
- Annahmen über Inklusion selbst einbeziehen: "Wir nehmen an, unsere Nutzenden sind körperlich uneingeschränkt / technikaffin / deutschsprachig."
Varianten
- Annahmenumkehr: Jede Annahme ins Gegenteil umdrehen und erkunden, was sich ändern würde.
- Pre-Mortem-Annahmen-Check: Rahmen als: "Das Projekt ist gescheitert. Welche Annahme war falsch?"
- Stakeholder-Annahmen-Check: Annahmen verschiedener Stakeholder abbilden und vergleichen.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn das Team bereits von Unsicherheit überwältigt ist und Zuversicht braucht, nicht mehr Zweifel.
- Wenn die Annahmen bereits rigoros getestet wurden und das Team vorankommen muss.
- Wenn es als Verzögerungstaktik statt als echte kritische Übung genutzt wird.
Quelle & Weiterlesen
- de Bono, Edward — *Serious Creativity* (HarperBusiness, 1992)
- Ries, Eric — *The Lean Startup* (Crown Business, 2011) — Annahmentesting
- Bland & Osterwalder — *Testing Business Ideas* (Wiley, 2019)
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Leg den Tag an, zieh die Blöcke in die Reihenfolge, die dir vorschwebt, und lass die Zeiten sich selbst ausrechnen. Oder beschreib deiner KI, was du vorhast, und lass sie den ersten Entwurf schreiben.
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