Empathie-Interview
- Typische Dauer:
- 45m
Eine Einzelinterview-Technik, die durch offene Fragen und aktives Zuhören ein tiefes Verständnis für Erfahrungen, Motivationen und Emotionen der Nutzer*innen schafft.
Zweck
Das Empathie-Interview ist eine grundlegende Design-Thinking-Methode, um qualitatives Verständnis für die Erfahrungen, Bedürfnisse und Motivationen von Menschen zu gewinnen. Statt Annahmen zu validieren, schafft es Raum für authentische Geschichten und deckt latente Bedürfnisse und emotionale Treiber auf, die Umfragen und Analysen nicht erfassen können.
Auf einen Blick
- Gruppengröße: 2 (Interviewer*in + Befragte*r), oder Paare innerhalb eines größeren Teams
- Dauer: 45 Minuten
- Schwierigkeit: Mittel
- Moderationsstil: Einzelgespräch, dialogisch
- Setting: Ruhiger Raum, persönlich oder per Videocall
Ablauf
- Vorbereitung (10 Min): Interviewziel definieren. 5–7 offene Fragen formulieren, die Verhalten, Gefühle und Kontext erkunden — keine Meinungen oder Hypothesen. Ggf. Einwilligungserklärung vorbereiten.
- Vertrauen aufbauen (5 Min): Mit einfachen, unverfänglichen Fragen beginnen. Zweck erklären und betonen, dass es keine falschen Antworten gibt.
- Geschichten erkunden (25 Min): Fragen wie "Erzählen Sie von einer Situation, als …" stellen und mit "Warum?", "Wie hat sich das angefühlt?" und "Können Sie mir das zeigen?" vertiefen. Stille aushalten — sie geht oft den reichhaltigsten Erkenntnissen voraus.
- Abschluss (5 Min): Fragen "Gibt es noch etwas, das Sie teilen möchten?" und aufrichtig danken.
- Nachbesprechung (direkt danach): Zentrale Zitate, Überraschungen und Spannungen festhalten, solange sie frisch sind.
Material
- Interviewleitfaden (gedruckt oder digital)
- Notizbuch oder Haftnotizen für Echtzeit-Dokumentation
- Audiorekorder (mit Erlaubnis)
- Timer (unauffällig)
Stolperfallen & häufige Fehler
- Suggestivfragen: "Finden Sie nicht auch, dass X frustrierend ist?" verzerrt die Antwort. Fragen neutral halten.
- Zu viel reden: Die interviewende Person sollte weniger als 30% der Gesprächszeit sprechen.
- Nachbesprechung auslassen: Erkenntnisse verblassen schnell. Innerhalb von 15 Minuten notieren.
- Als Usability-Test behandeln: Es geht um die Person, nicht um ein Produkt.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Interview in der bevorzugten Sprache der teilnehmenden Person anbieten.
- Neurodivergenten Teilnehmenden die Fragen vorab zusenden.
- Videocalls mit Untertiteln für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen nutzen.
- Machtdynamiken beachten — einen neutralen, angenehmen Ort wählen.
Varianten
- Paar-Interview: Zwei Teammitglieder interviewen gemeinsam — eine Person fragt, die andere notiert.
- Kontextuelle Befragung: Interview in der Umgebung der teilnehmenden Person für reichhaltigeren Kontext.
- Foto-Elizitation: Teilnehmende bringen Fotos mit, die ihre Erfahrung repräsentieren, als Gesprächseinstieg.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn statistisch signifikante Daten benötigt werden — stattdessen Umfragen nutzen.
- Wenn das Thema zu sensibel ist und keine geschulte Moderation verfügbar ist.
- Wenn bereits starke qualitative Evidenz vorliegt und Synthese ansteht.
Quelle & Weiterlesen
- d.school, Stanford University — Methodenkarte "Interview for Empathy"
- IDEO, *The Field Guide to Human-Centered Design* (2015)
- Portigal, Steve — *Interviewing Users* (Rosenfeld Media, 2013)
Aus den Bausteinen eine Agenda machen
Leg den Tag an, zieh die Blöcke in die Reihenfolge, die dir vorschwebt, und lass die Zeiten sich selbst ausrechnen. Oder beschreib deiner KI, was du vorhast, und lass sie den ersten Entwurf schreiben.
14 Tage kostenlos testen