I Like, I Wish, What If
- Typische Dauer:
- 20m
Eine strukturierte Feedbackmethode, die Kritik in drei konstruktive Kategorien lenkt — Wertschätzung, Verbesserungswünsche und kreative Möglichkeiten.
Zweck
I Like, I Wish, What If bietet eine einfache, psychologisch sichere Struktur für das Geben und Empfangen von Feedback. Durch die Trennung in positive Beobachtungen, gewünschte Änderungen und kreative Provokationen verhindert die Methode, dass Feedbackrunden zu Verteidigungsdebatten werden, und fördert ausgewogenen, umsetzbaren Input.
Auf einen Blick
- Gruppengröße: 3–20
- Dauer: 20 Minuten
- Schwierigkeit: Niedrig
- Moderationsstil: Reihum oder stilles Schreiben mit anschließendem Teilen
- Setting: Beliebig — funktioniert präsenz und remote
Ablauf
- Arbeit präsentieren (3 Min): Die erstellende Person präsentiert kurz ihren Prototyp, ihre Idee oder ihren Plan.
- Stilles Schreiben (5 Min): Jede teilnehmende Person schreibt Feedback auf Haftnotizen mit den drei Satzanfängen: "I like…", "I wish…", "What if…" — ein Gedanke pro Notiz.
- Teilen und clustern (10 Min): Teilnehmende lesen ihre Notizen vor und platzieren sie an der Wand in drei Spalten. Ähnliches Feedback gruppieren.
- Antworten (2 Min): Die erstellende Person fasst zusammen, was sie gehört hat, und benennt eine Sache, die sie sofort umsetzen wird.
Material
- Haftnotizen in drei Farben (eine pro Kategorie)
- Marker
- Wand oder digitales Board mit drei Spalten
Stolperfallen & häufige Fehler
- "I like" überspringen: Menschen eilen zur Kritik. Auf echte Positiva bestehen.
- Vage Wünsche: "Ich wünschte, es wäre besser" ist nicht umsetzbar. Auf Konkretes drängen: "Ich wünschte, das Onboarding hätte weniger Schritte."
- "What if" als getarnte Kritik: "Was wäre, wenn ihr es tatsächlich testen würdet?" ist passiv-aggressiv. Zu echter Vorstellungskraft anleiten.
- Ersteller*in diskutiert zurück: Feedback ist ein Geschenk. Zuhören, nicht debattieren.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Stilles Schreiben vor dem Teilen gibt Introvertierten gleiche Stimme.
- Satzanfänge in mehreren Sprachen für mehrsprachige Teams bereitstellen.
- Digitale Haftnotizen für Remote-Teilnehmende nutzen.
Varianten
- I Like, I Wish, I Wonder: "What if" durch "I wonder" ersetzen für einen reflektiveren Ton.
- Galerie-Rundgang-Version: Mehrere Arbeiten an die Wand hängen; Teilnehmende rotieren und hinterlassen Feedback bei jeder.
- Anonyme Version: Notizen ohne Namen einsammeln für offeneren Input.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn detaillierte Expert*innen-Kritik benötigt wird (z. B. Code-Review, Rechtsprüfung) — domänenspezifisches Framework nutzen.
- Wenn die Arbeit final ist und nichts geändert werden kann — Feedback ohne Handlungsmöglichkeit erzeugt Frustration.
- Wenn das Vertrauen extrem niedrig ist — selbst diese Struktur fühlt sich möglicherweise nicht sicher genug an.
Quelle & Weiterlesen
- d.school, Stanford University — Methodenkarte "I Like, I Wish, What If"
- Doorley & Witthoft — *Make Space* (Wiley, 2012)
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