Positive Deviance
- Typische Dauer:
- 1h
Ein gemeinschaftsgetriebener Veränderungsansatz, der ungewöhnliche erfolgreiche Verhaltensweisen findet und verstärkt, die bereits im System existieren, statt Lösungen von außen zu importieren.
Zweck
Positive Deviance (PD), entwickelt von Jerry und Monique Sternin, startet mit einer kraftvollen Erkenntnis: In jeder Gemeinschaft oder Organisation mit einem Problem gibt es Individuen, die es bereits gelöst haben — mit denselben Ressourcen wie alle anderen. PD identifiziert diese positiven Abweichler, studiert ihre Verhaltensweisen und schafft Bedingungen, damit die breitere Gemeinschaft diese Verhaltensweisen entdecken und übernehmen kann.
Auf einen Blick
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Gruppengröße | 10–50 |
| Dauer | 60 Min. (Inquiry-Session; voller PD-Prozess: Wochen bis Monate) |
| Schwierigkeit | Mittel |
| Facilitationsstil | Gemeinschaftsgetrieben, inquiry-basiert |
| Setting | Gemeinschaftsraum oder Meetingraum; Zugang zu positiven Abweichlern |
Ablauf
- Problem und Ergebnis definieren (10 Min.). Problem und gewünschtes Ergebnis messbar formulieren.
- Positive Abweichler identifizieren (10 Min.). Fragen: "Wer in unserem System erreicht dieses Ergebnis bereits trotz gleicher Einschränkungen wie alle anderen?"
- Ungewöhnliche Praktiken entdecken (20 Min.). Interviewen oder diskutieren: Was machen diese positiven Abweichler anders? Auf beobachtbare Verhaltensweisen fokussieren, nicht Charaktereigenschaften.
- Zugänglichkeit prüfen (10 Min.). Filtern: Welche Verhaltensweisen sind für alle zugänglich (ohne besondere Ressourcen, Autorität oder Talent)?
- Übungsgelegenheiten gestalten (10 Min.). Kleine Experimente oder Übungsräume schaffen. PD doziert nicht über Best Practices — es schafft Bedingungen zum Üben.
Material
- Flipchart für Problemdefinition und Ergebnis
- Interviewprotokoll für positive Abweichler
- Sticky Notes für Verhaltensidentifikation
- Aktionsexperiment-Vorlage
Stolperfallen & häufige Fehler
- Lösungen von außen importieren. PD besteht darauf, dass Lösungen aus der Gemeinschaft kommen. Externe "Best Practices" untergraben Eigenverantwortung.
- Den Abweichler statt das Verhalten feiern. Fokus auf das TUN, nicht das SEIN.
- Übungsschritt überspringen. Wissen über besseres Verhalten ändert kein Verhalten.
- Top-down-Implementierung. PD ist gemeinschaftsgetrieben.
Inklusion & Barrierefreiheit
- PD schätzt inhärent die Weisheit innerhalb der Gemeinschaft, besonders aus unerwarteten Quellen.
- Positive Abweichler kommen oft aus marginalisierten Positionen.
- Inquiry-Prozess zugänglich gestalten (Sprache, Ort, Timing).
- Diverse Wege zum Erfolg feiern, nicht einen "richtigen" Weg.
Varianten
- Interne PD-Inquiry: Innerhalb einer Organisation Teams finden, die unter gleichen Bedingungen besser abschneiden.
- PD + Storytelling: Positive Abweichler erzählen ihre Geschichten in Gemeinschaftstreffen.
- Digitale PD: Umfragen und Datenanalysen zur Identifikation positiver Abweichler im großen Maßstab.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn es wirklich keine positiven Abweichler gibt — das Problem ist universal und braucht externe Innovation.
- Wenn die Organisation eine schnelle Lösung will — PD ist ein Prozess.
- Wenn Machtdynamiken ehrliche Inquiry verhindern.
Quelle & Weiterlesen
- Pascale, R., Sternin, J. & Sternin, M. (2010). *The Power of Positive Deviance*. Harvard Business Review Press.
- Singhal, A. & Dura, L. (2017). *Positive Deviance and Social Change*. Peter Lang.
- Positive Deviance Collaborative. https://positivedeviance.org
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