Problem Framing
- Typische Dauer:
- 40m
Eine kollaborative Methode zur Definition und Neuformulierung des Kernproblems, bevor zu Lösungen gesprungen wird, damit das Team das richtige Problem löst statt des offensichtlichen.
Zweck
Problem Framing stellt sicher, dass Teams ihre kreative Energie in die richtige Richtung investieren. Durch systematisches Hinterfragen von Annahmen, Perspektivwechsel und Testen alternativer Problemformulierungen verhindert die Methode den kostspieligen Fehler, das falsche Problem brillant zu lösen.
Auf einen Blick
- Gruppengröße: 4–12
- Dauer: 40 Minuten
- Schwierigkeit: Mittel bis hoch
- Moderationsstil: Strukturierte Gruppendiskussion mit Facilitator-Impulsen
- Setting: Workshop-Raum mit Whiteboard oder digitalem Board
Ablauf
- Anfangsproblem formulieren (3 Min): Das Problem wie aktuell verstanden an die Tafel schreiben.
- Annahmen hinterfragen (10 Min): Jede in der Formulierung eingebettete Annahme auflisten. Jede hinterfragen: "Was, wenn das nicht stimmt?" "Wer sagt das?" "Welche Evidenz haben wir?"
- Perspektiven wechseln (10 Min): Das Problem aus 3 verschiedenen Blickwinkeln umschreiben — Nutzer*in, Unternehmen, Wettbewerb, Gesellschaft oder ein spezifischer Stakeholder.
- Breiter und enger werden (10 Min): "Warum ist das ein Problem?" dreimal fragen, um breiter zu werden. Dann "Was genau?" dreimal fragen, um enger zu werden. Die handlungsfähige Ebene finden.
- Frame auswählen (7 Min): 2–3 reformulierte Problemstellungen vergleichen. Über diejenige abstimmen, die die eigentliche Herausforderung am besten erfasst und den größten Design-Hebel bietet.
Material
- Whiteboard oder großes Papier
- Haftnotizen und Marker
- "5 Warum"- und "Wie könnten wir"-Vorlagen
- Klebepunkte zum Abstimmen
Stolperfallen & häufige Fehler
- Erstes Framing akzeptieren: Die anfängliche Problemformulierung ist fast nie die richtige. Auf mindestens 3 Alternativen drängen.
- Framing als verkappte Lösung: "Wir brauchen eine App" ist eine Lösung, kein Problem. Weiter "Warum?" fragen.
- Zu lange dauern: Dies ist zeitbegrenzte Exploration, keine philosophische Debatte. Zu "gut genug" kommen und iterieren.
- Solo-Framing: Problem Framing durch eine einzelne Person spiegelt eine Perspektive. Es muss kollaborativ sein.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Stilles Schreiben vor der Diskussion, damit alle Stimmen beitragen.
- Die anfängliche Problemformulierung schriftlich bereitstellen, nicht nur mündlich.
- Die Rolle des Advocatus Diaboli rotieren, um zu verhindern, dass eine Person die Kritik dominiert.
Varianten
- Problemformulierungs-Lückentext: Vorlage nutzen: "[Nutzer*in] braucht einen Weg zu [Bedürfnis], weil [Erkenntnis]" und auf mehrere Weisen ausfüllen.
- Reverse Framing: Das gegenteilige Problem formulieren ("Wie machen wir es schlimmer?") und die Erkenntnisse umkehren.
- Nutzer*innen-zuerst-Framing: Von einem echten Nutzerzitat ausgehen und die Problemformulierung darum herum aufbauen.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn das Problem wirklich klar, gut erforscht und vereinbart ist — zur Ideenfindung übergehen.
- Wenn das Team im Umsetzungsmodus ist und das Wiederaufgreifen des Problems das Momentum stören würde.
- Wenn es zur Vermeidungstaktik wird — endloses Umformulieren ohne sich auf eine Richtung festzulegen.
Quelle & Weiterlesen
- Dorst, Kees — *Frame Innovation* (MIT Press, 2015)
- Wedell-Wedellsborg, Thomas — "Are You Solving the Right Problems?" (Harvard Business Review, 2017)
- d.school, Stanford — Methodenkarten "Point of View" und "How Might We"
Aus den Bausteinen eine Agenda machen
Leg den Tag an, zieh die Blöcke in die Reihenfolge, die dir vorschwebt, und lass die Zeiten sich selbst ausrechnen. Oder beschreib deiner KI, was du vorhast, und lass sie den ersten Entwurf schreiben.
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