Systemische Aufstellung (organisational)
- Typische Dauer:
- 1h
Eine räumliche Methode, bei der Stellvertreter*innen für Organisationselemente stehen und ihre physischen Positionen verborgene Dynamiken, Loyalitäten und systemische Verstrickungen offenbaren.
Zweck
Die Organisationsaufstellung, adaptiert aus Bert Hellingers Familienaufstellungsarbeit von Praktiker*innen wie Gunthard Weber und Jan Jacob Stam, nutzt räumliche Repräsentation, um unsichtbare Systemdynamiken sichtbar zu machen. Durch das Platzieren von Personen (oder Gegenständen) als Stellvertreter für Organisationselemente — Abteilungen, Rollen, Produkte, Kund*innen, Werte — können Facilitator*in und Gruppe Beziehungen, Spannungen und verborgene Loyalitäten buchstäblich sehen.
Auf einen Blick
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Gruppengröße | 8–30 |
| Dauer | 60 Min. pro Aufstellung |
| Schwierigkeit | Fortgeschritten |
| Facilitationsstil | Phänomenologisch, systemisch, körperbewusst |
| Setting | Freie Bodenfläche (min. 5m x 5m); Stühle am Rand für Beobachtende |
Ablauf
- Interview mit Anliegengeber*in (10 Min.). Die Person beschreibt die Situation kurz. Facilitator*in identifiziert die zu repräsentierenden Schlüsselelemente.
- Stellvertreter*innen auswählen (5 Min.). Anliegengeber*in wählt Gruppenmitglieder als Stellvertreter und platziert sie intuitiv im Raum.
- Erstes Bild (5 Min.). Alle beobachten die Aufstellung. Facilitator*in fragt Stellvertreter*innen: "Wie fühlen Sie sich an dieser Position? Was nehmen Sie wahr?" Stellvertreter*innen sprechen aus der Position, nicht aus persönlicher Meinung.
- Erkundung (20 Min.). Facilitator*in macht kleine Bewegungen — jeweils ein Element umpositionieren und Wirkung prüfen. Verborgene Dynamiken tauchen auf: Wer ist ausgeschlossen? Wer trägt zu viel? Welche Beziehung ist eingefroren?
- Lösungsbild (10 Min.). Facilitator*in arbeitet auf eine Konfiguration hin, in der alle Elemente sich geordneter fühlen.
- Ent-Rollen und Integration (10 Min.). Stellvertreter*innen treten aus ihren Rollen (abschütteln, eigenen Namen sagen). Anliegengeber*in teilt Einsichten.
Material
- Freie Bodenfläche (Möbel an die Ränder)
- Stühle oder Kissen für Beobachtende am Rand
- Optional: Bodenmarkierungen oder Gegenstände als Personenersatz
- Papier und Stift für Anliegengeber*in
Stolperfallen & häufige Fehler
- Überinterpretieren. Aufstellungen zeigen Muster, keine Wahrheiten. Erkenntnisse als Hypothesen halten.
- Facilitator*in projiziert. Phänomenologisch bleiben — beobachten was ist, nicht was sein sollte.
- Nicht ent-rollen. Stellvertreter*innen können Restgefühle tragen, wenn nicht ordnungsgemäß aus der Rolle entlassen.
- Für individuelle Therapie im Gruppensetting nutzen. Organisationsaufstellungen adressieren Systemdynamiken, nicht persönliche psychologische Themen.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Teilnahme als Stellvertreter*in ist immer freiwillig.
- Gegenstandsbasierte Aufstellungen anbieten (Figuren oder Objekte auf dem Tisch) für Personen, die nicht stehen können.
- Sensibel mit emotionaler Intensität umgehen — Möglichkeit zum Rückzug bieten.
- Ursprünge der Methode und Vielfalt der Aufstellungstraditionen anerkennen.
Varianten
- Tischaufstellung: Figuren oder Objekte auf einem Tisch statt stehender Personen.
- Strukturaufstellung: Entwickelt von Varga von Kibéd und Sparrer, mit geometrischen Bodenmarkierungen für abstraktere Systemelemente.
- Virtuelle Aufstellung: Digitales Board, auf dem Teilnehmende Avatare oder Objekte bewegen.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn die Gruppe erfahrungsbasierten oder somatischen Methoden feindlich gegenübersteht.
- Wenn die Anliegengeber*in nicht bereit ist, Neues zu sehen.
- Wenn es zur Manipulation von Entscheidungen genutzt würde.
Quelle & Weiterlesen
- Weber, G. (2000). *Praxis der Organisationsaufstellungen*. Carl-Auer.
- Stam, J. J. (2006). *Fields of Connection: The Practice of Organisational Constellations*. Het Noorderlicht.
- Whittington, J. (2020). *Systemic Coaching and Constellations*. 3. Aufl. Kogan Page.
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