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Systemisches Interview

Typische Dauer:
45m

Zirkuläre und hypothetische Fragen aus dem systemischen Coaching nutzen, um verborgene Dynamiken aufzudecken und Perspektiven zu verschieben.

Zweck

Das Systemische Interview nutzt Fragetechniken aus dem systemischen Coaching — zirkuläre Fragen, hypothetische Fragen und Skalierungsfragen — um Einzelpersonen oder Teams zu helfen, verborgene Dynamiken aufzudecken, Beziehungen zwischen Elementen zu verstehen und ihre Situation aus neuen Blickwinkeln zu sehen.

Auf einen Blick

DetailWert
Gruppengröße3–12
Dauer45 Minuten
SchwierigkeitMittel–Schwer
ModerationsstilGecoachte Erkundung
SettingVor Ort oder virtuell

Ablauf

  1. Einführung in systemische Fragen (10 Min.): Drei Fragetypen lehren: (a) Zirkuläre Fragen („Wenn ich Ihren Stakeholder fragen würde, wie er dieses Problem sieht, was würde er sagen?“), (b) Hypothetische Fragen („Wenn dieses Problem über Nacht gelöst wäre, was wäre morgen anders?“), (c) Skalierungsfragen („Auf einer Skala von 1–10, wo steht das jetzt? Was würde es einen Punkt besser machen?“).
  2. Fokus wählen (5 Min.): Eine Person (oder das Team) benennt eine echte Herausforderung oder Dynamik.
  3. Systemische Erkundung (20 Min.): Die Moderation (oder der Peer-Coach) stellt nur systemische Fragen. Die Fokusperson antwortet, die Gruppe hört zu. Schlüsselregeln: keine Ratschläge, keine Interpretation — nur Fragen. Die Moderation verschiebt bewusst Perspektiven.
  4. Reflexion (5 Min.): Die Fokusperson teilt: Was hat sich verschoben? Was sehe ich anders? Welche neue Option ist aufgetaucht?
  5. Abschluss (5 Min.): Die Fokusperson nennt eine Aktion. Die Gruppe reflektiert, welche Fragetypen am wirkungsvollsten waren.

Material

  • Systemische-Fragen-Spickzettel (drei Fragetypen mit Beispielen)
  • Flipchart für Erkenntnisse
  • Timer

Stolperfallen & häufige Fehler

  • Gewöhnliche Fragen stellen: „Was ist passiert?“ ist nicht systemisch. Die Gruppe in zirkulärem und hypothetischem Framing schulen.
  • Ratschläge in Frageform geben: „Denkst du nicht, du solltest...“ ist ein Ratschlag. In reiner Erkundung bleiben.
  • Die Erkundung hetzen: Systemische Fragen brauchen Zeit zum Wirken. Pausen zulassen.
  • Ein triviales Thema wählen: Die Methode glänzt bei komplexen, relationalen Herausforderungen.

Inklusion & Barrierefreiheit

  • Den Fragen-Spickzettel vorab bereitstellen, damit Teilnehmende sich vorbereiten können.
  • Der Fokusperson erlauben, Antworten schriftlich zu geben, wenn verbale Verarbeitung schwierig ist.
  • In mehrsprachigen Settings die Fokusperson in ihrer stärksten Sprache sprechen lassen.
  • Sicherheit schaffen, indem vor der Session Vertraulichkeit vereinbart wird.

Varianten

  • Teamdynamik-Fokus: Zirkuläre Fragen nutzen, um Dynamiken auf Teamebene zu erkunden.
  • Stakeholder-Mapping: Hypothetische Fragen nutzen, um abzubilden, wie verschiedene Stakeholder auf einen Vorschlag reagieren könnten.
  • Coaching-Skills-Training: Das Format nutzen, um Peer-Coaches in systemischem Fragen zu schulen.

Wann NICHT einsetzen

  • Wenn die Fokusperson direkten Expertenrat braucht, nicht explorative Erkundung.
  • Wenn die Gruppe keine Schulung in systemischen Fragen hat und in Ratschlaggeben abrutschen würde.
  • Wenn die Herausforderung faktisch und einfach ist statt relational oder komplex.

Quelle & Weiterlesen

  • Fritz B. Simon, *Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus* (Carl-Auer, 2006)
  • Karl Tomm, „Interventive Interviewing“-Serie (Family Process, 1987–1988)
  • Peter Senge, *The Fifth Discipline* (Doubleday, 2006)

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Systemisches Interview · GoodWorkshop