Zukunftskonferenz (Future Conference)
- Typische Dauer:
- 45h
Eine 2,5-tägige Großgruppenmethode, die das 'ganze System' in einen Raum bringt, um gemeinsame Geschichte zu entdecken, aktuelle Trends zu erkunden, eine gewünschte Zukunft zu entwerfen und sich auf konkrete Maßnahmen zu verpflichten. Entwickelt von Marvin Weisbord und Sandra Janoff.
Zweck
Die Zukunftskonferenz (auch Stakeholder-Zukunftskonferenz oder Future Conference) ist eine strukturierte Großgruppenintervention, die 30–80 unterschiedliche Stakeholder zusammenbringt, um Gemeinsamkeiten zu finden, eine geteilte Vision zu entwickeln und sich auf Handlungen zu verpflichten — alles innerhalb von 2,5 Tagen.
Auf einen Blick
- Gruppengroesse: 30–80 Personen (ideal 64 an 8 Tischen zu je 8)
- Dauer: 2,5 Tage (ca. 18 Stunden Arbeitszeit)
- Schwierigkeit: Fortgeschritten — erfordert erfahrene Moderation
- Moderationsstil: Hochstrukturiert mit festgelegten Phasen
- Setting: Großer Raum mit runden Tischen für 8, viel Wandfläche
Ablauf
Die Konferenz folgt 5 Phasen über 2,5 Tage:
Tag 1 — Nachmittag
Phase 1: Blick in die Vergangenheit (2,5h)
- Gemischte Gruppen erstellen einen gemeinsamen Zeitstrahl.
- Gruppen identifizieren stolze Momente und Meilensteine.
- Alle gehen den Zeitstrahl ab und diskutieren Muster.
Phase 2: Blick auf die Gegenwart — Externe Trends (2h)
- Stakeholder-Gruppen identifizieren aktuelle Trends.
- Jede Gruppe präsentiert ihre Trends auf einer radialen Ideenkarte.
- Alle stimmen über die wichtigsten Trends ab.
Tag 2 — Ganzer Tag
Phase 3: Gegenwart — Eigene Verantwortung (2h)
- Stakeholder-Gruppen: Worauf sind wir stolz? Was bedauern wir?
- Öffentliches Teilen — keine Diskussion, nur Zuhören.
Phase 4: Blick in die Zukunft — Idealszenarien (3h)
- Gemischte Gruppen entwerfen Zukunftsszenarien.
- Kreative Präsentationen (Sketche, Poster, Nachrichtensendungen).
- Gemeinsame Basis aller Visionen identifizieren.
Tag 3 — Vormittag
Phase 5: Fokus auf Handlung (3h)
- Selbstgewählte Aktionsgruppen bilden sich um gemeinsame Themen.
- Konkrete Aktionspläne: Wer, Was, Bis Wann.
- Öffentliche Verpflichtungen und nächste Schritte.
Material
- Großer Raum mit 8–10 runden Tischen
- 20+ Meter Wandfläche für Zeitstrahlen
- Flipchartpapier, Marker, Klebeband
- Klebepunkte für Abstimmungen
- Gedruckte Teilnehmer-Leitfäden
Stolperfallen & häufige Fehler
- Falscher Personenmix: Funktioniert nur mit echter Vielfalt — alle Stakeholder-Gruppen müssen vertreten sein.
- Verkürzen wollen: Der 2,5-Tage-Rhythmus ist essenziell.
- Moderation redet zu viel: Die Moderation steuert den Prozess, nicht den Inhalt.
- Kein Follow-up: Ohne strukturierte Nachbereitung verpuffen die Verpflichtungen.
Inklusion & Barrierefreiheit
- Personen an gemischten Tischen platzieren, um Machtcliquen zu verhindern.
- Schriftliche Anleitungen für jede Phase bereitstellen.
- Stille Reflexionszeit vor Gruppendiskussionen für Introvertierte einplanen.
- Barrierefreien Veranstaltungsort sicherstellen.
Varianten
- Mini-Zukunftskonferenz (1 Tag): Komprimierte Version für kleinere Gruppen.
- Virtuelle Zukunftskonferenz: Angepasst für Online mit Breakout-Räumen.
- Jugend-Zukunftskonferenz: Modifizierte Sprache und kreative Methoden.
Wann NICHT einsetzen
- Wenn wichtige Entscheidungsträger nicht teilnehmen.
- Wenn das Ergebnis bereits feststeht.
- Wenn kein Budget oder Bereitschaft für Follow-up-Maßnahmen vorhanden.
Quelle & Weiterlesen
Marvin Weisbord & Sandra Janoff, 'Future Search' (3. Auflage, 2010). Siehe futuresearch.net
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